Wäldletobel: Der Verkehr über den Arlberg
Prägung für die Siedlungsentwicklung im Klostertal
Seit alters her ist die heutige Gemeinde Klösterle in besonderer Weise mit dem Verkehr über den Arlberg verbunden. Zollstellen, Gasthäuser und die Betätigung als Säumer und Fuhrleute bzw. das „Schneebrechen“ waren wichtige Elemente der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Ausbau des Arlbergverkehrs führte zur Entstehung jenes Klosters, von dem die Urkunde von 1218 berichtet. Aussagen zum Arlbergverkehr und Siedlungspionieren vor dieser Zeit können nur anhand von archäologischen Untersuchungen getroffen werden. Es liegt nahe, dass die Beachtung, die der Arlberg ab dem 13. Jahrhundert erfuhr, zu einer Zunahme des Verkehrs und zum Ausbau des Weges führte. In Hall wurden in jener Zeit neue Salzlagerstätten gefunden, was den Salzhandel und den Ost-West-Verkehr förderte. Ein Ausbau des Arlbergwegs und die erste Einhebung von Wegzoll werden 1312 erwähnt.
Dieser mittelalterliche Fahrweg über den Arlberg konnte im Rahmen von archäologischen Untersuchungen zwischen 2005 und 2008 sowie 2011 teilweise freigelegt werden. Mittlerweile führt ein Wanderweg über die historischen Spuren.
Trotz des Ausbaus der Wege blieb eine Überquerung des Arlbergs besonders im Winter gefährlich. Um in Not geratenen Reisenden Hilfe zu bieten, errichtete Heinrich Findelkind 1386 nach dem Vorbild anderer Alpenpässe eine Herberge auf dem Arlberg. Schon in den ersten sieben Jahren konnten er und seine Helfer 50 Menschen das Leben retten. Um das Hospiz fertig stellen und eine Kapelle errichten zu können, wurden Almosensammler ausgesandt, welche Spendengelder lukrierten. Die Gönner wurden ab 1393 mit ihren Wappen in eigene Wappen- und Botenbücher eingetragen, von denen drei erhalten sind. Papst Bonifaz IX. unterstützte wie auch zahlreiche Bischöfe die Sammler und stellte 1398 einen Ablassbrief aus. Entgegen der landläufigen Meinung bestand im Mittelalter jedoch keine Bruderschaft („fraternitas“) zu St. Christoph.
Die Fahrstraße über den Arlberg existierte etwa bis 1500 und sank dann wieder zu einem Saumweg herab, weil der Weg über den Fernpass zunehmend bevorzugt wurde. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr der Arlbergverkehr einen Rückgang, wenngleich der Saumverkehr von beträchtlicher Bedeutung blieb. In Klösterle erinnerte der sogenannte „Wartesstall“ bis zu seinem Abbruch vor einigen Jahren an diese Zeit des Saumverkehrs über den Arlberg. Eine weitere Aufgabe der Bewohner:innen von Klösterle und Stuben war das sogenannte „Schneebrechen“. Schon seit dem Mittelalter wurde der Weg über den Arlberg nach Möglichkeit auch im Winter offengehalten. Bei entsprechender Lawinensicherheit musste eine für Fußgänger:innen, Saumtiere und Schlitten zur Verfügung stehende Trasse angelegt werden. Dafür konnte in Klösterle und Stuben ein sogenanntes „Bruchgeld“ eingehoben werden.
Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sich der Weg über den Arlberg in schlechtem Zustand. Alle Bemühungen um einen Ausbau waren bis dahin erfolglos geblieben. Erst Kaiser Joseph II. war aus politischen und militärischen Überlegungen an einem Ausbau der Arlbergstraße interessiert. In seiner Regentschaft wurde 1782 ein entsprechendes Projekt ausgearbeitet und 1785 der Weg soweit instandgesetzt, dass er durchgehend mit Wagen befahrbar war. Oberhalb von Stuben entstand durch Sprengungen eine neue Trasse beim sogenannten „Posteck“. Bald nach der Eröffnung wurde 1796 eine regelmäßige Postverbindung mit einem Postreiter und ab 1818 mit einer Fahrpost eingeführt. Die Bemühungen um den Ausbau der Arlbergstraße fanden ab 1822 ihre Fortsetzung.