Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie die Seiter weiter nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.  Mehr Informationen zu Cookies
ausblenden ×
Zur Startseite Hotline: +43 5552 30227
Großes Walsertal - Vorarlberg
 
  • Wetter
    Heute
    Wetter

    Morgen
    Wetter

    -2°

  • Webcams
  • Events
  • Unterkunft suchen

    Unterkunft suchen



    Alter der Kinder

     
     
     
     
     
     
    tip

Dritte Urlaubsgeschichte von R. Groot Bramel

Unser schönstes Erlebnis auf einer Alpe im Großen Walsertal

Wasser, Walserhöfe, Wälder, Weiden und wunderbare Berge – das sind Bilder, die wir vor Augen haben, wenn wir uns an unsere Sommerwochen in Österreich erinnern.
Die Berge sind nicht nur beeindruckend in ihrer Ewigkeit und Schönheit, sie machen auch deutlich, dass das Leben manchmal schwer ist, gefahrvoll und endlich. Einmal ha-ben wir hautnah erlebt, wie schnell aus dem Paradies die Hölle werden kann!
Wir waren bei strahlendem Sonnenschein auf dem Hochschereweg schon ein Stück von Faschina aus unterwegs und genossen den Blick über die grünen Hänge auf der Sonnenseite und schroffen Felsen gegenüber, die das Große Walsertal prägen. Wir wollten auf der Biberacher Hütte übernachten und am nächsten Tag über die Metzgertobelalpe zurück nach Sonntag wandern.
Unvermittelt schwappten plötzlich graue Wolkenfetzen über den Bergkamm, unter dem unser schmaler Pfad entlang führte. Zuerst sah es aus, als würde ein Riese auf der anderen Seite des Grates ein gewaltiges Feuer machen, dann nahm die graue Masse zu und verdichtete sich. Minuten später schon grollte in der Ferne ein Donner. Das Geräusch kam schnell näher. Was sollten wir tun? Umkehren? Viel zu weit der nicht ungefährliche Weg bis zur nächsten Schutzhütte. Weitergehen? Aber wie lange noch würde es dauern bis zu einer Alpe? Abkürzen? Talwärts gab es nur tückische Schluchten und tiefe Felseinschnitte, die sich bei Regen in rauschende Rinnen verwandeln würden. Einen Unterschlupf suchen? Ringsum nur nackter Fels, keine Vorsprünge oder Nischen.

Wir entschieden uns zum Weitergehen, so zügig wie möglich und so vorsichtig wie nötig. Ich glaube, unsere Leistung war rekordverdächtig! Die Sorge machte uns Beine!
Ich stellte mir vor, wie die Kinder mit den Großeltern unten in unserem Ferienquartier Ausschau nach uns hielten und Angst um uns ausstanden! Zwei „kinder-freie Tage“ mit stabil gemeldetem Sommerwetter hatten wir zu der großen Tour nutzen wollen, und nun das!

Als die ersten dicken Tropfen herunterprasselten, sahen wir die Umrisse der Gebäude auf der Alpe Oberüberluth!  Gerade noch, bevor der Wolkenbruch sich mit voller Wucht entleerte, durften wir am Tisch der freundlichen Sennerin Platz nehmen. Sehr erleichtert legten wir die Rucksäcke ab und nahmen dankbar einen Becher frische Milch entgegen. Sie zündete eine Kerze an, weil es stockduster war und sich draußen eine Art Weltuntergangsstimmung entwickelt hatte.
In den folgenden zwei Stunden stellte sich eine fast unwirkliche Stimmung ein, wie eine Zeitreise in eine andere, frühere Welt, weit weg und doch mitten in der Stube! Wir blie-ben zu dritt, es war sonst niemand zu Hause. Unsere gastfreundliche Retterin hatte Zeit – wie so oft im Walsertal hatten wir das Privileg, ZEIT geschenkt zu bekommen, sie buchstäblich zu teilen, ihr Verstreichen zu fühlen wie die Sonne und den Wind auf der Haut – und an diesem Nachmittag erhielten wir einen bewegenden Einblick in die Zei-ten, bevor Besucher, Gäste, Fremde und Touristen hier einen Fuß hingesetzt haben.

„Im Frühjahr, wenn das Gras gut stand und der Schnee nur noch ganz oben war, sind wir mit der ganzen Familie und den Tieren hier herauf. Schön war das immer, ein Fest, endlich in die Freiheit nach dem Winter in der dunklen Stube. Die Hühner wurden im Korb auf dem Buckel getragen und alle anderen Tiere sind gelaufen. Den Hausrat haben wir zusammengepackt und einer braven Kuh aufgeladen. So viel brauchte man ja damals noch nicht. Anders als heute, wo man zwei große Koffer mitschleppt, wenn man für eine Woche verreist!
Es gab noch keine Fahrstraße, wir haben kleine Pfade gehabt und waren froh, wenn keins von den übermütigen Muttertieren oder von den jungen unerfahrenen Kälbern abgestürzt ist. Die ganzen Gebete und Segnungen vor dem Auftrieb und auch im Herbst hatten ihren Grund, das war nicht nur fromme Verzierung und romantisches Theater! Wenn ein Tier umgekommen wäre, hätte die Familie einen großen Verlust gehabt, für die Generation meiner Großeltern hätte das noch Hungern bedeutet!“

Ob es nicht auch gefährlich gewesen sei, die Herde den Sommer über immer wieder zusammenzutreiben und, bei solchem Wetter wie heute, im weitläufigen Gelände zu finden? „Es war immer gefahrvoll, aber man hat ja von klein auf gelernt, damit zu leben. Als Kinder kannten wir unsere Aufgaben und wussten, wovor man sich in Acht nehmen muss.“ Unvermittelt muss ich an unsere heutigen Kinder denken, die mit dem Auto zu ihren Turnstunden, Förderkursen und Hobbys gebracht werden und in speziellen Trainings erlernen sollen, Verantwortung zu übernehmen... Wie sich das Leben innerhalb weniger Jahrzehnte geändert hat! „Als meine eigenen Kinder zur Welt kamen, bin ich kurz vorher hinabgegangen ins Dorf, wo eine Hebamme war und später auch ein Arzt. Zwei Tage nach der Entbindung habe ich das Kleine in eine Decke gewickelt und bin wieder gekommen – die Arbeit hier muss ja gemacht werden, das kann einer nicht allein! Und wenn ich hier im Stall war zum Melken, mussten sie in der Stube im Gitterbettchen warten, sonst wäre alles Mögliche passiert. Daran waren sie gewöhnt, anders als meine Enkelkinder, wenn sie mich heute einmal besuchen. Sie werden den ganzen Tag herumgetragen und wenn man sie absetzt, greinen sie gleich los. Das gab’s früher nicht.“

Andere Zeiten. Viel schwerer war das Leben im Walsertal, und doch waren die Men-schen nicht unglücklich, hielten zusammen, halfen einander, waren dankbar für Dinge, die uns heute selbstverständlich erscheinen und deshalb auch nicht mehr besonders erfreuen. Viele wurden trotz der Entbehrungen, der harten Arbeit und der strengen Witterung sehr alt – vielleicht war dieses Leben nicht ungesünder als unser Überangebot von zu süßer, zu fettiger und zu gehaltvoller Nahrung, von der wir zu viel in uns hineinstopfen als Ausgleich für den Stress auf der Arbeit, die wir zumeist sitzend erledigen?

Als die Sonne wieder schien, verabschiedeten wir uns herzlich und nahmen als Ge-schenk nicht nur ein leckeres selbsthergestelltes Stück Käse mit – die Unterhaltung hatte uns zum Nachdenken angeregt, zum Überdenken eigener Einstellungen und Gewohnheiten. Der Horizont über den Bergspitzen war wieder klar und unser eigener war erweitert worden!
Man muss nicht in eine bedrohliche Lage geraten, um eine Zeitreise zu machen. Das Große Walsertal bietet auch ohne Gewitter Gelegenheit zur Erfahrung von Stille, Gelas-senheit und Frieden. Die Natur und die Menschen laden dazu ein. Es gibt einige Bücher, in denen die Bewohner des Tales in eigenen Worten schlicht beschreiben und auf alten Schwarz-Weiß-Bildern dokumentieren, wie das Walserleben aussah – Zeugnisse einer noch gar nicht so lange zurückliegenden Zeit, die zu lesen sich lohnen!
Der wie wir finden beeindruckendste Bildband „Steiles Erbe“ steht daheim griffbereit. Von Zeit zu Zeit lesen wir daraus vor - und zu hören, wie die Kinder von damals sich über „eine ganze Kartoffel für jeden“ gefreut haben, gleicht einem Tischgebet!
Ein schönstes Geschenk des Walsertales an seine Gäste:

Gespür für Lebenszeit und Dankbarkeit!

de:Besonderes Alperlebnis auf Oberüberluth;

Besonderes Alperlebnis auf Oberüberluth