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Mit Kind und Kegel Kurven shredden

Erfahrungsbericht einer Downhill-Anfängerin oder weshalb wagemutige Abfahrten genau das richtige für sportliche Familien sind.

Hier stehe ich nun im Wallride Mountain & Bike Store in Bürserberg. Um mich herum schwere, massive Bikes mit breiten Reifen mit viel Profil und riesigen Federungen. Dazu Helme, die auch vorne rum zu sind. „Fullface“, sagt Pasquale, unser Guide, und schmunzelt, während er mir eine Vollpanzerung in die Hand drückt. Im Fachjargon heißen Jacke und Knieschoner Protektoren. Na hoffentlich schützen die mich auch. Worauf habe ich mich hier nur eingelassen?

Ich sage es euch: Auf einen Tag mit First Try Guiding im Bikepark Brandnertal, also praktisch ein Anfängerkurs zum Downhill Mountainbike fahren. Meine drei Männer, sprich mein Mann und meine beiden Söhne (10 und 12), strahlen, während sie die Bikes begutachten und in ihre Ausrüstung schlüpfen. Sie haben mich überredet. Großartige Idee. Oder hätte ich vielleicht doch lieber den Wellnessbereich unseres Hotels nutzen sollen? Kann das überhaupt funktionieren, Erwachsene und Kinder in einem Kurs? Sind wir nicht zu schnell für die Jungs? Oder macht die Unbesonnenheit der Jugend das wett? Ich weiß es nicht. Ich werde es aber wohl innerhalb der nächsten beiden Stunden erfahren. Mit einem unsicheren Lächeln im Gesicht schließe auch ich die Protektorjacke und streife ein Bikepark Brandnertal Jersey darüber. Pasquale sucht mir fachmännisch das richtige Bike raus und stellt die Federgabel auf mein Gewicht ein. Geht es jetzt los? Ja, es geht los. Meine Jungs sausen Richtung Lift, aber halt, stopp, ich habe noch Schonfrist: Zuerst geht es auf einen nahe gelegenen Schotterparkplatz, Pasquale will uns mit den Bikes vertraut machen. Gemeinsam prüfen wir, ob sich die Reifen gleichmäßig drehen, ob die Bremsen funktionieren und ob auch sonst alles an Ort und Stelle sitzt. Das sei mit das Wichtigste beim Biken, erklärt Pasquale: Würde auf der Strecke die Bremse versagen, könnte das böse enden. Das macht Sinn. Also drehe ich eifrig die Räder in der Luft und bringe sie mit einem kurzen Zug an der Bremse zum Stillstand. Links ist die Vorderbremse, rechts die Hinterbremse. Gut. Bevor es dann so richtig losgeht, lernen wir auch das richtige Bremsen im Sattel. Wir lassen uns von einer Anhöhe auf den rutschigen, gekiesten Untergrund rollen und üben: Zuerst nur mit der Hinterbremse, dann mit der Vorderbremse, dann mit beiden. 60 % vorne, 40 % hinten sei das richtige Bremsverhältnis. Na gut, schauen wir mal. Wir schlittern über den Kies, hinterlassen Bremsspuren und ich beginne, mich mit dem gutmütigen Bike anzufreunden, das Pasquale mir herausgesucht hat. Gerade, als ich denke „Her mit der nächsten Übung!“ war es das auch schon mit den Trockenübungen, wir begeben uns zum Lift.

Ein bisschen mulmig ist mir schon, als die Helfer mein Bike an den Lift hängen und ich bei der Liftfahrt die Strecke unter mir begutachte. Steile Stücke, riesengroße Sprünge und was sind eigentlich diese Schlangen aus Holzplanken, die sich da durch den Wald winden? Da soll ich wirklich runterfahren? Versteht mich nicht falsch, ich fahre gern Fahrrad. Gemütlich am Fluss entlang, manchmal auch mit dem Mountainbike auf Schotterstraßen, aber sowas? Oben angekommen stehe ich daher zweifelnd mit meinem Bike am Beginn der Strecke, bis mir das aufmunternde „Los, Mama, mach schon!“ meiner Jungs entgegenschallt. Na gut. Tief durchatmen, wir werden das schon langsam angehen. Pasquale grinst mich an. „Bereit?“, fragt er. Ja, ich bin bereit. Glaube ich. Langsam setzt sich unsere Karawane in Bewegung. „Wir gehen das ganz entspannt an. Geht bei den Hügeln mit der Bewegung mit auf und ab. Vor den Steilkurven halten wir noch einmal an“, meint Pasquale. Halt! Steilkurven!? Doch mir bleibt keine Zeit, Pasquale und die Jungs fahren in den Trail ein. „Tschengla Unchained“ steht auf dem Bogen, unter dem ich hindurch rolle. Was das heißt? Ich habe keine Ahnung. Jedenfalls geht es sanft bergab, der Untergrund ist angenehm fest. Auf der Strecke sind immer wieder kleine Hügel aufgeschüttet. Wir sollen das Bike fest am Boden halten, die maximale Auflagefläche der breiten Reifen nutzen. Geht es die Schwelle hinauf, das Bike nach oben ziehen, beim Hinunterfahren das Bike in den Boden drücken. Ziehen, drücken. Und vorausschauen! Dass man beim Biken auf so viele Dinge achten muss …

Schnell nehme ich Geschwindigkeit auf. Bremsen! 60/40. Keine Ahnung, ob ich das richtige Verhältnis einhalte, aber immerhin, mein Bike wird langsamer, ohne blockierende Reifen. Und die Wellen machen richtig Spaß! Ich denke nicht viel nach, sondern konzentriere mich auf mein Fahrrad und den Boden, freunde mich mit der Strecke an. Flowline nennen sie das hier und ich beginne zu verstehen, weshalb: In einer fließenden Bewegung rollen mein Bike und ich Richtung Tal.

Nach einigen hundert Metern warten die Herren bereits auf mich. Die Sorgen, die ich mir um die Jungs mache, halten sich in Grenzen. Sie fahren ohnehin viel mehr Mountainbike als ich und sind daher intuitiv auf dem richtigen Weg. Zweitens haben wir einen Guide, der sie genau beobachtet und zu guter Letzt bin ich auch sehr damit beschäftigt, selber unbeschadet ins Tal zu kommen. Weshalb bleiben wir eigentlich stehen? Mein Blick folgt der Strecke. Das ursprünglich sanfte Gefälle fällt plötzlich steil ab, in kurzer Folge winden sich vier Steilkurven in die Tiefe. Der Untergrund sieht lehmig aus. Rutschig. Und kein Ausweg in Sicht. Es sähe schlimmer aus, als es sei, beruhigt uns Pasquale und spricht darüber, wie man diese Dinger richtig bewältigt. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, sie zu begutachten, als richtig zuzuhören, aber was hängen bleibt: Nicht auf den Boden sondern dahin schauen, wo ich hinfahren möchte, hoch anfahren, das Bike im 90° Winkel zum Boden halten und keine Angst haben. In der Kurve möglichst nicht bremsen. Sogar meine mutigen Jungs zögern, als sie hinter unserem Guide herfahren.

Langsam schieben sie sich um die erste Kurve, die zweite geht schon schneller. „Perfekt!“, ruft Pasquale und sie sausen aus meinem Blickfeld. Also gut, jetzt ich. Ich lasse das Bike anrollen, stelle mich auf die Pedale und fahre in die Kurve. Wider Erwarten ist es gar nicht rutschig und sieht darüber hinaus wirklich schlimmer aus, als es ist. Ich bin zwar weit davon entfernt in einer flüssigen Linie um die Kurven zu cruisen, aber ich komme heil unten an und bin sehr zufrieden mit uns allen. Weiter geht’s. Über Hügel und Sprünge (wenn man langsam genug ist, kann man sie einfach überrollen, ohne meterweit in die Luft zu fliegen), durch weitere Steilkurven und ich habe das Gefühl, dass ich eins bin mit meinem Bike. Fast schon ein Profi! Aber wieso halten wir schon wieder an? Da ist sie wieder, diese Holzschlange durch den Wald. „Northshores“, sagt Pasquale. Northwas? Egal. 1,20 m bis 1,40 m breit, behandeltes Holz, also auch bei Nässe gut zu fahren. Einfach keine Angst haben, vorausschauend fahren, seine Linie suchen und nichts kann passieren. Also gut. Anrollen, auf die  Strecke  konzentrieren, die erste Kurve nehmen, über die Planken fahren, die sich teilweise links und rechts erheben, Wellen überfahren, aber weshalb geht es links von mir auf einmal gefühlte zwei Meter in die Tiefe? Ich habe das Gefühl zu schnell zu werden, zögere, bremse, schaue auf den Boden und bevor ich blinzeln kann, liege ich auf Tannennadeln und Wurzeln, gleich neben einem Baum. Zum Glück bin ich gut gepolstert und liege rechts neben der Strecke, die auf dieser Seite nur wenige Zentimeter über dem Boden schwebt. Ich bin erschrocken, muss aber auch lachen: Man sollte eben nach vorne auf die Strecke schauen, nicht auf den Boden. „Alles klar?“, fragt unser Guide besorgt, „Tut dir etwas weh?“. Nein, ein paar tiefe Atemzüge und es geht wieder. Also rauf aufs Bike und die letzten Meter auf Planken durch den Wald. Ich gebe zu, dass ich erleichtert bin, als ich wieder „nur“ Steilkurven und Bodenwellen vor mir habe. Die Strecke windet sich abwechslungsreich mal steiler, mal flacher ins Tal, hier noch ein Wallride (eine Steilkurve, die durch eine Holzwand ausgebaut  wurde – da ich aber ein eher gemächliches Tempo anschlage, bin ich noch weit davon entfernt, das Holz zu berühren) und schon sind wir wieder beim Lift. Alles klar? Alles klar, sagt der Blick in die strahlenden Gesichter meiner Lieben. Also geht es nach einer kurzen Trinkpause wiederum zum Lift.

Dieses Mal wirkt die Strecke schon gar nicht mehr so unheimlich und oben angekommen sausen wir wieder los. Wesentlich flotter geht es ins Tal, auf, ab, links, rechts, Steilkurven und Sprünge. Ich muss zugeben, dass mir die Northshores im Wald etwas unheimlich sind, aber alles geht gut. Und dieses Mal komme ich beim Wallride sogar an die Wand! Ein bisschen stolz bin ich schon auf uns vier, dass wir das so gut hinbekommen haben. Dass wir so schnell lernen würden, hätte ich nicht gedacht. Und noch weniger, dass so ein Tag im Bikepark eine Bereicherung für die ganze Familie ist.

Abends im Hotel lege ich meinen zugegebenermaßen doch ein wenig geschundenen Körper in den Whirlpool. Meine Jungs sind schadenfroh, aber davon lasse ich mich nicht ärgern. Sollen sie doch! Ich werde immerhin ein paar blaue Flecken als Beweis mit nach Hause nehmen, dass ich mich getraut habe. Und nein, den ganzen Tag im Wellnessbereich zu verbringen, wäre definitiv falsch gewesen. So einen Familienausflug in den Bikepark, das sollte man mal ausprobiert haben.

Tipp: Ein First Try Guiding im Bikepark Brandnertal kann man ab vier Personen von Montag – Freitag jeweils am Vormittag buchen. Anmeldung bis zum Vortag, kleinere Gruppen auf Anfrage.

Biker auf der Wallride © Michael Marte

Biker auf der Wallride © Michael Marte

In einer fließenden Bewegung über Stock und Stein.  © Michael Marte

In einer fließenden Bewegung über Stock und Stein. © Michael Marte

Unser Guide Pasquale gibt uns eine kleine Einführung und schon geht es los. © Michael Marte

Unser Guide Pasquale gibt uns eine kleine Einführung und schon geht es los. © Michael Marte